Konzertsituation

Wie findet ihr
ein Thema?

Sucht euch ein Thema, das sich mit Jungsein in den Umbruchszeiten seit 1989/90 beschäftigt.

Brainstormt am besten in eurer Gruppe, eurer Klasse oder euren Familien, welche Themen in Frage kommen würden. Verschafft euch dafür einen groben Überblick über die deutsche Einheit und Veränderungen für junge Menschen, die durch sie ausgelöst wurden.
Begebt euch auf die Suche nach konkreten Geschichten, denen ihr nachgehen wollt. Ihr könnt zum Beispiel die Erfahrungen bestimmter Personen untersuchen, oder euch anschauen, wie sich eine Region oder ein bestimmter Ort durch die deutsche Einheit verändert haben.

Fragen zur Inspiration:

  • Wie haben Menschen in Ost und West die Zeit nach der deutschen Einheit persönlich wahrgenommen?
  • Welche Chancen haben sich ergeben, welche Probleme traten auf?
  • Wie veränderte sich der Alltag von Jugendlichen nach 1989/90 im Vergleich zum Leben in der DDR? Wie blicken eure Eltern und Großeltern heute auf diese Zeit zurück?
  • Gab es bestimmte Ereignisse und Situationen, die in eurem Umfeld oder euren Familien besonders prägend waren?
  • Was bedeutet es, innerhalb von zwei Systemen aufzuwachsen und in jungen Jahren eine Zeit der Diktatur und Demokratie zu erleben?
  • Wie veränderten sich Jugendkulturen von der DDR über die Umbruchszeit bis heute? Welche Verbindungen zwischen Ost und West gab es?
  • Für welche politischen und gesellschaftlichen Themen interessierten sich Jugendliche damals und für welche interessieren sie sich heute?
  • Gibt es Auswirkungen der deutschen Einheit, die heute noch spürbar sind?
  • Was hat das von euch bearbeitete Thema noch mit unserer heutigen Zeit zu tun?

Wenn ihr ein spannendes Thema gefunden habt, dann:

  • Grenzt den Zeitraum ein: Die Arbeit muss sich schwerpunktmäßig mit dem Thema „Jungsein“ in Deutschland seit dem Einigungsprozess von 1989/90 befassen.
  • Legt fest, welche Fragen ihr beantworten wollt: Eure Arbeit sollte möglichst konkreten Fragen nachgehen.
  • Entscheidet euch für einen methodischen Zugang: Euer Projekt kann sich entweder mit der Entwicklung in eurer oder einer anderen Region befassen
    oder mit einzelnen Personen. Ihr könnt natürlich auch eine Mischung von beidem finden. Wichtig ist, dass ihr konkreten Geschichten nachgeht.
  • Stellt einen Bezug zur Gegenwart her: Gibt es noch Auswirkungen im heutigen Alltag?

Format-Inspiration

Die Idee steht, das Thema ist gewählt und das Material gesichtet. Ob für einen Wettbewerbsbeitrag oder für ein Schulprojekt,
häufig geht es anschließend darum, ein passendes Format für das Material zu finden. Viele Formate haben ihren Reiz –
wie wäre es mit einem Film, einem Podcast oder einer spielerischen Variante?

Wir haben hier ein paar Umsetzungsbeispiele aus dem Jugendwettbewerb zusammengestellt und erklären,
warum es sich um gelungene Beispiele handelt.

Beitragsformat Webseite

Webseite –
Tagebuchblog

Königsdisziplin Webseite – ein aufwändiges, aber visuell ansprechendes Format mit vielen Möglichkeiten zur Gestaltung.
Beitragsformat Ausstellung

Ausstellung –
Grenzerfahrungen

Klassisch & informativ – Ausstellungen sind ideale Formate, um eine Vielzahl von Menschen anzusprechen.
Beitragsformat Instagrambeitrag

Instagram – Festung Königstein

Zeitgemäß, bildgewaltig, mit Spaßgarantie – Instagram bietet viele Möglichkeiten.
Beitragsformat Spiel

Spiel – Ein
Wendespiel

Spannung, Spaß und Spiel – so lernt es sich am allerbesten! Ein Memory, ein Puzzle, ein Karten- oder Strategiespiel?
Beitragsformat Buch

Buch – Umbruch im Saldern

Zeitschriften und Bücher sind ein hervorragendes Format, um sich schriftlich und künstlerisch kreativ auszutoben.
Beitragsformat Erklärfilm

Erklärfilm – Frau Berger und die BStU

Filme, insbesondere kurze Erklärfilme, sind ein echter Hingucker. Aber sie sind auch aufwendig. Hier ein paar Tipps, was dabei wichtig ist.
Beitragsformat Podcast

Podcast – Rechtsextremismus

Ein Podcast ist ein einfaches und beliebtes Format, um Inhalte zu vermitteln. Hier erfahrt ihr, was uns an dem Beispiel besonders gefällt.

Themen-Inspiration

Hier haben wir ein paar Inspirationen für euch zusammengestellt, die euch die Vielfalt des Themas „Jungsein“ aufzeigen.
Ob Alltag von Jugendlichen vor und nach 1989/90, Jugendkulturen wie Rock und Punk oder das
Engagement für Politik und Gesellschaft damals und heute – die Bandbreite an Geschichten ist groß.
Lest doch mal hinein.

Bild_Ein über-wältigendes Gefühl der Freiheit

Ein überwältigendes Gefühl der Freiheit

Tim Eisenlohr wurde 1973 in Ost-Berlin geboren. Seine Familie verließ die DDR mit einem Ausreiseantrag im Frühsommer 1989, damit seine schwer kranke Mutter in West-Berlin bessere Therapiemöglichkeiten nutzen konnte. Er ...
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Bild_Baseballschlägerjahre

Baseballschlägerjahre in der Uckermark

Die Erfahrung brutaler rechter Angriffe in den 1990er-Jahren prägen eine ganze Generation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Ostdeutschland – heute sprechen wir über diese Zeit als „Baseballschlägerjahre“. Die Bedrohung ...
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Zeit der Verunsicherung

Zeit der Verunsicherung

Karamba Diaby kam über ein Stipendium aus dem Senegal in die DDR und studierte von 1986 bis 1991 Chemie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Insbesondere für internationale Studierende in der DDR ...
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Schnell erwachsen geworden

Schnell erwachsen geworden

Sven Johne wurde 1976 in Bergen auf Rügen geboren. Als Jugendlicher nahm er die Umbrüche vor allem in der Schule und in seinem Wohngebiet wahr. Aufgrund der Überforderung der Eltern ...
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Wie erstellt ihr euren Beitrag?

Hier haben wir einige kurze Tipps zusammengestellt, die euch bei eurer Spurensuche und Beitragserstellung helfen.

Im Download-Bereich unten auf dieser Seite findet ihr ausführliche Hinweise für euren Weg durch den Wettbewerb und einen Leitfaden für die Durchführung von Zeitzeugengesprächen.

Jugendliche in der DDR

Wo findet ihr Material zu eurem Thema?

  • in Büchern und im Internet;
  • in Gesprächen mit Expert/-innen und Zeitzeug/-innen. Diese können auch aus eurem Umfeld stammen;
  • in Archiven. Hier findet ihr z. B. Akten von Behörden und Vereinen, Fotos, alte Zeitungsausgaben und Unterlagen, wie etwa Briefe oder Tagebücher;
  • in Museen, Gedenkstätten und Vereinen, die sich mit ähnlichen Themen wie ihr auseinandersetzen.

Wie wertet ihr die Materialien aus?

  • Denkt daran, dass eine Quelle – egal ob ein Protokoll, ein Zeitungsartikel oder ein Zeitzeugengespräch –
    nicht unbedingt zeigt,„was wirklich war“, sondern durch bestimmte Perspektiven und Erfahrungen geprägt ist.
    Schaut euch daher am besten unterschiedliche Quellen an und informiert euch auch in Büchern oder im Internet.
  • Gliedert euer Material sinnvoll, z. B. nach Themenblöcken und bringt diese in eine passende Reihenfolge.
  • Versucht, eure Ausgangsfrage zu beantworten. Wenn Fragen offengeblieben sind, ist das gar nicht schlimm.
    Thematisiert, warum ihr bestimmte Fragen nicht beantworten könnt.
  • Überlegt, was eure eigene Meinung zum Thema ist. Gibt es noch Bezüge zur Gegenwart?

Welche Begriffe könnten hilfreich sein?

Arbeitslosigkeit
Mit der deutschen Einheit 1990 vollzogen sich weitreichende wirtschaftliche Veränderungen in Ostdeutschland. Wegen der Umstellung von der Plan- zur Marktwirtschaft mussten viele Betriebe schließen, ostdeutsche Produkte verloren ihren Absatzmarkt und Geschäfte konnten sich nicht gegen die starke Konkurrenz aus dem Westen durchsetzen. In der Folge stieg die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland in den frühen 1990er-Jahren dramatisch an: In der Industrie verloren über zwei Drittel der Angestellten ihren Job. Vierzig Prozent aller Beschäftigten in Ostdeutschland waren bis 1996 mindestens einmal arbeitslos – Frauen noch häufiger als Männer. Viele Menschen zogen auf der Suche nach Arbeit in den Westen. Was im Großen als „Strukturwandel“ bezeichnet werden kann, hatte im Kleinen für den Einzelnen oft schwere Einschnitte in die eigene Biographie und die persönliche Lebensplanung zur Folge. Berufswechsel, Umschulungen oder Frühverrentung betrafen sogar drei Viertel aller ostdeutschen Beschäftigten. Die mit dem Strukturwandel verbundene Unsicherheit machte vielen Menschen zu schaffen und beeinflusste noch ihr späteres Leben. Viele schämten sich zudem dafür, arbeitslos zu sein oder Sozialleistungen vom Staat zu erhalten, auch wenn sie nichts für den Verlust ihrer Arbeit konnten. Erst seit 2005 sinken die Arbeitslosenzahlen in Ostdeutschland. 2018 lagen sie nur noch zwei Prozentpunkte über denen in Westdeutschland.

Aufbauhelfer/-innen
Mit der Wiedervereinigung wurde Ostdeutschland Teil eines bereits existierenden Landes, der Bundesrepublik Deutschland. Um das bundesdeutsche Rechts-, Wirtschafts- und Sozialsystem zu übertragen, wurden bis 1995 mindestens 35.000 westdeutsche hohe Beamte nach Ostdeutschland berufen. Dabei hatte jedes „neue Bundesland“ ein westdeutsches Patenland, das die entsprechenden „Aufbauhelfer Ost“ entsandte. Damit der Anreiz für einen Arbeitsplatzwechsel höher war, wurde dieser oftmals mit einem beruflichen Aufstieg und Sonderzahlungen verbunden. Aus dem anfänglich zeitlich begrenzten Vorhaben entwickelten sich feste Strukturen und viele der Aufbauhelfer/-innen blieben dauerhaft.

Blühende Landschaften
Helmut Kohl, Bundeskanzler von 1982 bis 1998, sagte in seiner Fernsehansprache zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.1990: „Durch unsere gemeinsamen Anstrengungen, durch die Politik der Sozialen Marktwirtschaft werden schon in wenigen Jahren aus Brandenburg, aus Mecklenburg-Vorpommern, aus Sachsen, aus Sachsen-Anhalt und aus Thüringen blühende Landschaften geworden sein.“ Seither wird darüber diskutiert, inwieweit Kohls Aussage Realität geworden ist. Die Erfolge der Vereinigung sind unübersehbar. Viele Menschen empfanden Kohls Vision aber auch als leeres Versprechen. Denn in Ostdeutschland zeigten sich neben den Erfolgen der Einheit auch die negativen Folgen der Umbruchszeit, wie die starke Arbeitslosigkeit und der Weggang vieler Menschen aus dem Osten. Schaut man aber beispielsweise auf den Umweltschutz, kann durchaus von einem „Aufblühen ostdeutscher Landschaften“ gesprochen werden. Denn in der DDR war die Umweltverschmutzung ein großes Problem: Die Luft war stark verunreinigt, Gewässer belastet und der Braunkohletagebau hatte ganze Landschaften zerstört. Nach dem Fall der Mauer organisierten ost- und westdeutsche Umweltschützerinnen und Umweltschützer gemeinsam neue Schutzmaßnahmen. Andere Beispiele für ein Aufblühen können in Stadtsanierungen und dem Aufbau neuer Infrastrukturen gesehen werden. Über „blühende Landschaften“ kann also in Bezug auf ganz verschiedene Gebiete und Themenfelder kontrovers diskutiert werden.

Ostalgie
Die Wortneuschöpfung „Ostalgie“ setzt sich aus den Begriffen „Osten“ und „Nostalgie“ zusammen. Verstanden wird darunter meist eine Sehnsucht nach bestimmten Lebensformen und Gegenständen aus der DDR. So kamen in den 1990er-Jahren beispielsweise Ostalgie-Partys auf und es entstand ein Markt für den Verkauf von DDR-Produkten sowie Souvenirs, die an das Leben in der DDR erinnern. Das Phänomen der „Ostalgie“ spiegelt einerseits das Bedürfnis von ehemaligen DDR-Bürgerinnen und Bürgern wider, Erfahrungen und Erinnerungen an ein früheres Leben zu bewahren und im Austausch darüber zu bleiben. Andererseits geht dies aber auch mit einer zunehmend positiven Betrachtung der DDR-Vergangenheit einher. Kritikerinnen und Kritiker werfen der „Ostalgie-Bewegung“ eine Verharmlosung der SED-Diktatur und ihrer Repressalien vor. Das schwierige Leben unter der Diktatur werde außer Acht gelassen und das Leben in der DDR verklärt. Über das Phänomen der „Ostalgie“ wird viel diskutiert. Eine klare Definition des Begriffs existiert allerdings nicht.

Ost-West-Wanderung
Seit der deutschen Teilung verließen Millionen Menschen die DDR in Richtung Westen. Der Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 durch das SED-Regime stoppte diese Massenflucht. Eine zweite große Wanderungswelle setzt nach dem Mauerfall ein. In vielen Regionen der DDR wurden Betriebe geschlossen, die Arbeitslosigkeit stieg dramatisch an. Im Westen dagegen war der Bedarf an Arbeitskräften groß. Insgesamt verließen 1989 und 1990 rund 800.000 Menschen den Osten. Eine dritte große Wanderungswelle fand um die Jahrtausendwende statt. In der Hoffnung auf ein besseres Leben im Westen zogen vor allem junge Menschen, Frauen und gut Ausgebildete aus Ostdeutschland weg. Die Stadt Hamburg nahm circa 190.000 Ostdeutsche auf und ist damit das beliebteste Ziel im Westen. Die fast dreißig Jahre währende Abwanderung stoppte im Jahr 2017. Zum ersten Mal zogen mehr Menschen von West nach Ost als andersrum. Beliebt sind vor allem Städte wie Potsdam, Leipzig und Görlitz.

Rechtsextremismus
Nach der deutschen Einheit erlebte die gesamte Bundesrepublik und insbesondere Ostdeutschland eine Welle rechtsextremer Gewalt. Gründe hierfür lagen unter anderem im verharmlosenden Umgang der SED-Diktatur mit Rechtsextremismus, in einem latenten Rassismus in der DDR und in den Ereignissen der Umbruchszeit ab 1989. Rechtsextremist/-innen aus Westdeutschland warben damals gezielt Mitglieder und Wähler/-innen in den neuen Bundesländern. In den neunziger Jahren zogen dann rechte Parteien erstmals in ostdeutsche Landtage ein. Besonders bestürzend waren die rechtsextremen Gewalttaten während der frühen 1990er-Jahre. 1991 überfielen Rechtsextreme in Hoyerswerda unter dem Beifall von Zuschauer/-innen die Unterkünfte mosambikanischer Vertragsarbeiter/-innen. In Rostock-Lichtenhagen attackierten sie 1992 tagelang die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber. Die Polizei griff nur unzureichend ein und schaffte es nicht, die pogromartigen Angriffe zu unterbinden. Aber auch in Westdeutschland gab es Übergriffe. Bei Brandanschlägen im November 1992 in Mölln und im Mai 1993 in Solingen wurden acht Menschen getötet, weitere wurden schwer verletzt. Die Übergriffe und Morde riefen bundesweit Bestürzung und Solidarität hervor. Unter dem Hashtag „Baseballschlägerjahre“ haben in den letzten Jahren Betroffene versucht, auf ihre gewaltvollen Erlebnisse aus dieser Zeit aufmerksam zu machen. Auch heutzutage werden in Deutschland wieder vermehrt rechtsextreme Taten verübt, die ein Angriff auf die verfassungsrechtliche Demokratie und die Menschrechte sind.

Transformation
Das Wort Transformation stammt ursprünglich aus dem Lateinischen (transformare) und bedeutet Umwandlung, Umformung, Verwandlung oder Veränderung. Der Begriff wird in den unterschiedlichsten Bereichen verwendet, vor allem um physikalische, mathematische oder biologische Verwandlungen zu beschreiben. Doch auch in der Politik- und Sozialwissenschaft findet er Anwendung. Transformation beschreibt dort grundlegende Veränderungen in der politischen und gesellschaftlichen Ordnung eines Staates. Die Zeit nach dem Ende der DDR und dem Zerfall des „Ostblocks“ wird als „postkommunistische Systemtransformation“ bezeichnet. Für Ostdeutschland bedeutet dies, dass sich ein Wandel von einer Diktatur hin zu einer Demokratie vollzog. Es wurde eine neue wirtschaftliche, politische, rechtliche und verwaltungstechnische Struktur eingeführt. Diese Veränderungen hatten tiefgehende Auswirkungen auf den Alltag und das Leben der Menschen.

Transformation des DDR-Schulsystems
Mit der deutschen Einheit mussten auch zwei sehr unterschiedliche Bildungssysteme zusammengeführt werden. Neue Schulgesetze in den ostdeutschen Bundesländern enthielten nun u.a. das Recht auf Bildung und den gleichen Zugang zur Schule unabhängig von der Herkunft und dem sozialen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler. Zudem regelten sie die verschiedenen Schularten, die an die Stelle der früheren Einheitsschule traten, sowie die erweiterten Mitbestimmungsrechte für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler. Die Lehrerinnen und Lehrer wurden zu einem großen Teil übernommen, standen jedoch vor der Herausforderung, sich schnell den Veränderungen anpassen zu müssen und parallel weiter zu unterrichten. Zudem mussten sie sich kritisch mit dem erlernten Wissen aus der DDR auseinandersetzen. Teilweise kam es zu Entlassungen aufgrund einer Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Während es für manche Fächer zu viele Lehrkräfte gab – so z. B. in den Fächern „Staatsbürgerkunde“, „Russisch“, „Technisches Zeichnen“, „Einführung in die sozialistische Produktion“ oder „Produktive Arbeit“ – fehlten an anderer Stelle Lehrkräfte, die den hohen Bedarf an modernen Fremdsprachen, allen voran Englisch, bedienen konnten.

Vertragsarbeiter/-innen

In den 1960er-Jahren entstand ein Fachkräftemangel in der DDR. Einer der Gründe dafür war die Abwanderung bzw. Flucht von Millionen Menschen aus dem Osten in die Bundesrepublik. Zwischen 1967 und 1986 schloss die DDR-Regierung Abkommen mit unterschiedlichen sogenannten Bruderstaaten – anderen, ebenfalls sozialistischen Ländern. Dies waren Algerien, Angola, China, Kuba, Mongolei, Mosambik, Nordkorea, Polen, Ungarn und Vietnam.

Die ausländischen Arbeiter/-innen sollten in die DDR kommen, eine Ausbildung erhalten und dort arbeiten. Die Verträge dauerten meist zwei bis fünf Jahre – ein langfristiger Aufenthalt in der DDR war nicht vorgesehen. Danach sollten die Arbeiter/-innen zurück in ihre Heimatländer kehren, um bei deren Aufbau zu helfen.

Viele von ihnen kamen mit der Hoffnung auf gute Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Oft wurden sie aber enttäuscht und als billige Arbeitskräfte genutzt. Die DDR-Regierung wollte den Kontakt zwischen DDR-Bürger/-innen sowie den Vertragsarbeiter/-innen begrenzen. Letztere mussten meist auf engem Raum in gesonderten Wohnheimen leben. Schwangeren Frauen drohte bis 1988 eine direkte Abschiebung. Die Gesamtzahl ausländischer Vertragsarbeiter/-innen für 1989 wird auf 91.000–94.000 geschätzt.

Mit dem Mauerfall, der Wiedervereinigung und dem Ende der DDR verloren die Staatsverträge ihre Grundlage. Viele Vertragsarbeiter/-innen kehrten in ihre Herkunftsstaaten zurück. Jene, die bleiben wollten, mussten für ihre Rechte kämpfen und wurden strukturell stark benachteiligt. Im Jahr 1997 wurden sie rechtlich mit den Arbeitsmigrant/-innen in der Bundesrepublik, den sog. Gastarbeiter/-innen, gleichgestellt und ihr Aufenthaltsstatus geklärt.

Wende
Wer sich heute mit der Zeit von 1989/90 beschäftigt, wird vor allem mit dem Wort Wende konfrontiert. Der Begriff hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt. Ursprünglich kommt er aus dem sportlichen und technischen Bereich. Seit den 1980er-Jahren wurde er auch in der Politik verwendet. Doch was nur Wenige wissen: Das Wort Wende in Bezug auf die DDR wurde von Egon Krenz, dem neuen SED Partei-Chef und Nachfolger von Erich Honecker, geprägt. Er nutze es in seiner Antrittsrede vom 18.10.1989, um eine Neuausrichtung der Politik in der DDR auszurufen und so auf Massenflucht und Proteste im Land zu reagieren. Nicht nur wegen der Zuschreibung zu Egon Krenz ist das Wort Wende umstritten. Es beschreibt den folgenden radikalen Systemumbruch nur unzureichend. Eine Wende im politischen Sinne kommt von „oben“, während eine „Revolution“ „von unten“ gemacht wird und das Ziel hat, die Machthaber zu stürzen. Bürgerrechtler und Bürgerrechtlerinnen jener Zeit und auch Vertreter der Aufarbeitungslandschaft favorisieren daher den Begriff Friedliche Revolution. Dieser rückt die massenhaften Proteste und demokratischen Kämpfe der Bevölkerung beim Sturz des SED-Regimes in den Mittelpunkt. Befürworter des Wende-Begriffs argumentieren hingegen, dass dieser wesentlich offener sei und die unterschiedlichen biografischen Erfahrungen der gesamten Bevölkerung besser widerspiegele.

Wo findet ihr Zeitzeug/-innen?

Es gibt heute noch viele Menschen, die die Umbruchszeiten seit 1989/90 als Kinder oder Jugendliche miterlebt haben und über ihre Erlebnisse berichten können. Wenn ihr mögt, könnt ihr mit ihnen Zeitzeugengespräche führen.

Ihr findet sie:

  • in eurem Umfeld: Befragt eure Eltern, Großeltern, Verwandten oder Bekannten;
  • in eurer Region: Hängt Zettel mit einem Zeitzeugenaufruf auf;
    über Museen, Archive und Vereine, wenn diese zu eurem Thema passen;
  • auf Internet-Plattformen: Es gibt mehrere Plattformen, die Zeitzeug/innen zur DDR, Wiedervereinigung und zur Zeit danach aus allen Bundesländern versammeln:
    zeitzeugenbuero.de
    zeitenwende-lernportal.de/zeitzeugenpool
    ddr-zeitzeuge.de

Im Download-Bereich findet ihr Tipps für den gelungenen Ablauf eines solchen Gesprächs.

Welche Form gebt ihr eurem Wettbewerbsbeitrag?

Dies könnt ihr frei entscheiden. Achtet nur darauf, dass Textbeiträge nicht länger als 30 Seiten und Audio- bzw. Videodateien nicht länger als 20 Minuten sind. Natürlich könnt ihr auch kürzere Beiträge einsenden.

Mögliche Formate sind zum Beispiel:
Text • Film • Podcast • Comic • Plakat • Ausstellung • Spiel • Stadtführung • Theaterstück • Hörspiel • Kurzgeschichte • Webseite • Audio- oder Instawalk • Blog • Social Media-Kanal • …

Wie schreibt ihr euren Projektbericht?

Erläutert den Ablauf eures Projekts in einem kurzen, circa einseitigen Bericht.
Beantwortet dabei folgende drei Fragen:

  1. Welchen Fragen seid ihr in eurer Arbeit nachgegangen?
  2. Woher habt ihr eure Informationen bekommen?
  3. Wie viel Hilfestellung habt ihr erhalten?