Wie findet ihr ein Thema?

Sucht euch ein Thema, das sich mit den Umbruchszeiten seit 1989/90 beschäftigt.

Brainstormt am besten in eurer Gruppe, eurer Klasse oder euren Familien, welche Themen in Frage kommen würden. Verschafft euch dafür einen groben Überblick über die deutsche Einheit und Veränderungen, die durch sie ausgelöst wurden.
Begebt euch auf die Suche nach konkreten Geschichten, denen ihr nachgehen wollt. Ihr könnt zum Beispiel die Erfahrungen bestimmter Personen untersuchen, oder euch anschauen, wie sich ein Betrieb oder eine Region durch die deutsche Einheit verändert haben.

Inspirieren lassen könnt ihr euch durch folgende Fragen:

  • Wie haben Menschen in Ost und West die Zeit nach der deutschen Einheit persönlich wahrgenommen?
  • Welche Chancen haben sich ergeben, welche Probleme traten auf?
  • Gab es bestimmte Ereignisse und Situationen, die in eurem Umfeld oder euren Familien besonders prägend waren?
  • Wie haben sich Institutionen und Wirtschaft, Bildungs-, Umwelt-, Sozial- und Kultureinrichtungen in Ostdeutschland verändert?
  • Welchen Einfluss hatte der Wandel im Osten auf die westdeutsche Gesellschaft?
  • Welche neuen Berührungspunkte gab es zwischen Ost- und Westdeutschen?
  • Wie wird die Transformationszeit rückblickend nach 30 Jahren bewertet?
  • Gibt es Auswirkungen der deutschen Einheit, die heute noch spürbar sind?
  • Was hat das von euch bearbeitete Thema noch mit unserer heutigen Zeit zu tun?

Wenn ihr ein spannendes Thema gefunden habt, dann:

  • Grenzt den Zeitraum ein: Die Arbeit muss sich schwerpunktmäßig mit Deutschland seit dem Einigungsprozess von 1989/90 befassen.
  • Legt fest, welche Fragen ihr beantworten wollt: Eure Arbeit sollte möglichst konkreten Fragen nachgehen.
  • Entscheidet euch für einen methodischen Zugang: Euer Projekt kann sich entweder mit der Entwicklung in eurer oder einer anderen Region befassen
    oder mit einzelnen Personen. Ihr könnt natürlich auch eine Mischung von beidem finden. Wichtig ist, dass ihr konkreten Geschichten nachgeht.
  • Stellt einen Bezug zur Gegenwart her: Gibt es noch Auswirkungen im heutigen Alltag?

Inspiration

Hier haben wir ein paar Inspirationen für euch zusammengestellt, die euch die Vielfalt des Themas „Umbruchszeiten“ aufzeigen.
Ob Sport, Umwelt, Politik oder Umbrüche im Leben von einzelnen Personen – die Bandbreite an Geschichten ist groß. Lest doch mal hinein.

Das Grüne Band – Natur pur, wo einmal die Grenze war

Das Grüne Band – Natur pur, wo einmal die Grenze war

Ihr habt Lust, euch im Wettbewerb mit einem Umwelt-Thema zu beschäftigen? Kein Problem, denn auch in diesem Gebiet hat es durch die deutsche Einheit viele Veränderungen gegeben. Ihr könntet euch ...
+
Auf dem Pferd die Grenze entlang

Auf dem Pferd die Grenze entlang

Martin Stellberger wollte das Grenzgebiet genauer kennenlernen und begab sich auf eine Reise entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. 1400 km legte er zusammen mit seinem Pferd Flamenco zurück und begegnete ...
+
Hansa Rostock. Ein Ostklub machte Karriere

Hansa Rostock. Ein Ostklub machte Karriere

Was passierte eigentlich nach der deutschen Einheit mit den Ost-Fußballclubs? Viele Vereine verschwanden in der Versenkung. Hansa Rostock hingegen wurde umgebaut, behauptete sich und gewann sogar das erste Heimspiel in ...
+

Mehr Inspirations-Beispiele

Wie erstellt ihr euren Beitrag?

Hier haben wir einige kurze Tipps zusammengestellt, die euch bei eurer Spurensuche und Beitragserstellung helfen.

Im Download-Bereich unten auf dieser Seite findet ihr ausführliche Hinweise für euren Weg durch den Wettbewerb und einen Leitfaden für die Durchführung von Zeitzeugengesprächen.


Wo findet ihr Material zu eurem Thema?

  • in Büchern und im Internet;
  • in Gesprächen mit Experten und Zeitzeugen. Diese können auch aus eurem Umfeld stammen;
  • in Archiven. Hier findet ihr z. B. Akten von Behörden und Vereinen, Fotos, alte Zeitungsausgaben
    und Unterlagen, wie etwa Briefe oder Tagebücher;
  • in Museen, Gedenkstätten und Vereinen, die sich mit ähnlichen Themen wie ihr auseinandersetzen.

Wie wertet ihr die Materialien aus?

  • Denkt daran, dass eine Quelle – egal ob ein Protokoll, ein Zeitungsartikel oder ein Zeitzeugengespräch –
    nicht unbedingt zeigt,„was wirklich war“, sondern durch bestimmte Perspektiven und Erfahrungen geprägt ist.
    Schaut euch daher am besten unterschiedliche Quellen an und informiert euch auch in Büchern oder im Internet.
  • Gliedert euer Material sinnvoll, z. B. nach Themenblöcken und bringt diese in eine passende Reihenfolge.
  • Versucht, eure Ausgangsfrage zu beantworten. Wenn Fragen offen geblieben sind, ist das gar nicht schlimm.
    Thematisiert, warum ihr bestimmte Fragen nicht beantworten könnt.
  • Überlegt, was eure eigene Meinung zum Thema ist. Gibt es noch Bezüge zur Gegenwart?

Welche Begriffe könnten hilfreich sein?

Aufbauhelfer
Mit der Wiedervereinigung wurde Ostdeutschland Teil eines bereits existierenden Landes, der Bundesrepublik Deutschland. Um das bundesdeutsche Rechts-, Wirtschafts- und Sozialsystem zu übertragen, wurden bis 1995 mindestens 35.000 westdeutsche hohe Beamte nach Ostdeutschland berufen. Dabei hatte jedes „neue Bundesland“ ein westdeutsches Patenland, das die entsprechenden „Aufbauhelfer Ost“ entsandte. Damit der Anreiz für einen Arbeitsplatzwechsel höher war, wurde dieser oftmals mit einem beruflichen Aufstieg und Sonderzahlungen verbunden. Aus dem anfänglich zeitlich begrenzten Vorhaben entwickelten sich feste Strukturen und viele der Aufbauhelfer blieben dauerhaft.

Begrüßungsgeld
Das sogenannte Begrüßungsgeld wurde in der Bundesrepublik an Besucher aus der DDR ausgezahlt.  Es wurde 1970 eingeführt und sollte DDR-Bürgern einen Besuch in der Bundesrepublik erleichtern. Die DDR-Führung erlaubte nämlich nur die Ausführung von maximal  70 DDR-Mark. Um Besuche im Westen attraktiver zu machen, zahlte die Bundesrepublik daher zweimal jährlich 30 DM an Besucher aus der DDR. Bei einer Auszahlung wurde der Ausweis oder Pass mit einem Stempel versehen. Als die DDR das Limit der Bargeldmitnahme im Jahr 1987 senkte, änderte auch die Bundesregierung ihre Bestimmungen und zahlte nun 100 DM, aber nur einmal jährlich pro Besucher aus. Mit der Öffnung der Grenzen ab dem 9. November 1989 besuchten plötzlich Millionen DDR-Bürger die Bundesrepublik. Allein in den ersten vier Tagen wurden 4,5 Millionen Besuchsvisa ausgestellt. Der Andrang auf das Begrüßungsgeld war riesig. In Berlin waren die Banken, die das Geld auszahlten, sogar nachts geöffnet. Da das Geld ursprünglich nur für wenige Besucher gedacht war und die Kosten im Herbst 1989 auf schätzungsweise 3 Mrd. DM anstiegen, wurden die Auszahlungen zum 31.12.1989 eingestellt.

Runder Tisch
Die sogenannten „Runden Tische“ entstanden im Umbruchsjahr 1989/90 in mehreren Ostblockstaaten, nachdem die dortigen Regierungen massiv an Macht verloren hatten. Die Runden Tische setzten sich aus Vertretern von Oppositionsbewegungen und Regierung zusammen und sollten hauptsächlich als Vermittler zwischen Bevölkerung und politischen Entscheidungsträgern dienen. Zunächst in Polen entstanden, setzte sich dieses Konzept auch in der DDR durch. Neben zahlreichen lokalen, thematischen oder betrieblichen Runden Tischen tagte von Dezember 1989 bis März 1990 der „Zentrale Runde Tisch“ in Ost-Berlin. Er entstand nach Einsetzung der Übergangsregierung – der ab Februar 1990 auch Vertreter der Opposition angehörten –   in der DDR und sollte als eine Art Kontrollorgan im Demokratisierungsprozess fungieren. Der Runde Tisch stellte explizit nicht die politische Macht in Frage oder wollte sie ersetzen, sondern wollte vermittelnd zu Veränderungen beitragen. Die wichtigsten Ziele waren die Auflösung der Stasi bzw. deren Nachfolgebehörde, die Vorbereitung freier Wahlen und die Erarbeitung einer neuen Verfassung. Zwei dieser Ziele wurden erreicht:  Die Stasi wurde aufgelöst und der Weg für freie Wahlen bereitet. Damit hatte der „Zentrale Runde Tisch“ seine Hauptaufgabe erfüllt und beendete am 12.03.1990, kurz vor den Neuwahlen, nach 16 Sitzungen mit 276 Teilnehmern seine Arbeit.

Transformation
Das Wort Transformation stammt ursprünglich aus dem Lateinischen (trānsformātio) und bedeutet Umwandlung, Umformung, Verwandlung oder Veränderung. Der Begriff wird in den unterschiedlichsten Bereichen verwendet, vor allem um physikalische, mathematische oder biologische Verwandlungen zu beschreiben. Doch auch in der Politik- und Sozialwissenschaft findet er Anwendung. Transformation beschreibt dort grundlegende Veränderungen in der politischen und gesellschaftlichen Ordnung eines Staates. Die Zeit nach dem Ende der DDR und dem Zerfall des „Ostblocks“ wird als „postkommunistische Systemtransformation“ bezeichnet. Für Ostdeutschland bedeutet dies, dass sich ein Wandel von einer Diktatur hin zu einer Demokratie vollzog. Es wurde eine neue wirtschaftliche, politische, rechtliche und verwaltungstechnische Struktur eingeführt. Diese Veränderungen hatten tiefgehende Auswirkungen auf den Alltag und das Leben der Menschen.

Wende
Wer sich heute mit  der Zeit von 1989/90 beschäftigt, wird vor allem mit dem Wort Wende konfrontiert. Der Begriff hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt. Ursprünglich kommt er aus dem sportlichen und technischen Bereich. Seit den 1980er-Jahren wurde er auch in der Politik verwendet. Doch was nur wenige wissen: Das Wort Wende in Bezug auf die DDR wurde von Egon Krenz, dem neuen SED Partei-Chef und Nachfolger von Erich Honecker, geprägt.  Er nutze es in seiner Antrittsrede vom 18.10.1989, um eine Neuausrichtung der Politik in der DDR auszurufen und so auf Massenflucht und Proteste im Land zu reagieren.  Nicht nur wegen der Zuschreibung zu Egon Krenz ist das Wort Wende umstritten. Es beschreibt den folgenden radikalen Systemumbruch nur unzureichend. Eine Wende im politischen Sinne kommt von „oben“, während eine „Revolution“ „von unten“ gemacht wird und das Ziel hat, die Machthaber zu stürzen. Bürgerrechtler und Bürgerrechtlerinnen jener Zeit und auch Vertreter der Aufarbeitungslandschaft favorisieren daher den Begriff Friedliche Revolution. Dieser rückt die massenhaften Proteste und demokratischen Kämpfe der Bevölkerung beim Sturz des SED-Regimes in den Mittelpunkt. Befürworter des Wende-Begriffs argumentieren hingegen, dass dieser wesentlich offener sei und die unterschiedlichen biografischen Erfahrungen der gesamten Bevölkerung besser widerspiegele.

Weitere Begriffe folgen bald…

Wo findet ihr Zeitzeugen?

Es gibt heute noch viele Menschen, die die Umbruchszeiten seit 1989/90 miterlebt haben
und über ihre Erlebnisse berichten können. Wenn ihr mögt, könnt ihr mit ihnen Zeitzeugengespräche führen.
Ihr findet sie:

  • in eurem Umfeld: Befragt eure Eltern, Großeltern, Verwandten oder Bekannten;
  • in eurer Region: Hängt Zettel mit einem Zeitzeugenaufruf auf;
  • über Museen, Archive und Vereine, wenn diese zu eurem Thema passen;
  • auf Plattformen: Es gibt mehrere Plattformen, die Zeitzeugen zur DDR, Wiedervereinigung
    und zur Zeit danach aus allen Bundesländern versammeln:

Im Download-Bereich findet ihr Tipps für den gelungenen Ablauf eines solchen Gesprächs.

Welche Form gebt ihr eurem Wettbewerbsbeitrag?

Dies könnt ihr frei entscheiden. Achtet nur darauf, dass Textbeiträge nicht länger als 30 Seiten
und Audio- bzw. Videodateien nicht länger als 20 Minuten sind. Natürlich könnt ihr auch kürzere Beiträge einsenden.

Mögliche Formate sind zum Beispiel:
Text • Film • Podcast • Comic • Plakat • Ausstellung • Spiel • Stadtführung • Theaterstück • Hörspiel • Kurzgeschichte •  Webseite

Wie schreibt ihr euren Projektbericht?

Erläutert den Ablauf eures Projekts in einem kurzen, circa einseitigen Bericht.
Beantwortet dabei folgende drei Fragen:

  1. Welchen Fragen seid ihr in eurer Arbeit nachgegangen?
  2. Woher habt ihr eure Informationen bekommen?
  3. Wie viel Hilfestellung habt ihr erhalten?