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Alles neu – die Bildung von Parteien und zivilgesellschaftlichen Institutionen

18. November 1989, Kundgebung des NEUEN FORUM in Leipzig vor dem
damaligen Alten Reichsgericht. Foto: GMRE (Fotograf unbekannt)

Reinhard Bohse gehörte 1991 zu den Mitbegründern von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen und war von 1990 bis 1998 Pressesprecher der Stadt Leipzig. Er erlebte mit, wie sich im Osten Deutschlands demokratische Parteien und zivilgesellschaftliche Institutionen neu bildeten und berichtet:

„Nichts, aber auch wirklich nichts blieb nach 1989 unverändert.
Die Revolution von 1989 schob die Nischen-Gesellschaft der DDR in die offene Gesellschaft von Demokratie und Marktwirtschaft. In diesem Prozess gab es Menschen, die energisch anpackten, Menschen, die in Schreckstarre verfielen und zahlreich Menschen, die sich – wegen des persönlichen Machtverlustes – auf allen Ebenen gegen Demokratie und Rechtsstaat stemmten.
Im Transformationsprozess zeigte sich eine herausragende bürgerschaftliche Leistung darin, dass sich innerhalb eines Jahres – nämlich 1990 – landauf und landab in Dörfern und Städten, in Landkreisen und in den wieder neu gebildeten Ländern demokratisch gewählte Vertretungen bildeten, um die erforderlichen neuen Gesetze und Regeln zu diskutieren und zu verabschieden. Damit das funktionierte, mussten sich demokratische Parteien und zivilgesellschaftliche Institutionen überhaupt erst einmal organisieren. Denn das alles gab es im Kommunismus nicht.“

Weitere Informationen zu Herrn Bohse sind hier zu finden: Zeitzeugenbüro: Reinhard Bohse.