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Ein Hotel und zwei Systeme: Das Müritz-Hotel in den Umbruchszeiten

Das Erholungsheim „Herbert Warnke“ in Klink an der Müritz war eines der bekanntesten FDGB-Ferienheime der DDR. Mehr als 2.000 Urlauberinnen und Urlauber konnten dort gleichzeitig ihre Ferien verbringen. Mit Schwimmbad, Dachterrassen-Café und Bibliothek war es ein echtes Vorzeigeprojekt des sozialistischen Feriendienstes. Dieser war Teil des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), der fast alle arbeitenden Menschen in der DDR vertrat und die Plätze im Erholungsheim zentral vergab. Für den Urlaub musste man sich bewerben, denn es gab mehr Nachfrage als Urlaubsplätze. Auch den Ort konnte man sich nicht frei aussuchen, sondern wurde zugeteilt. Wer in Klink Urlaub machen durfte, hatte also Glück.

 

Bildnachweis: Bundesstiftung Aufarbeitung, eastblockworld, h_EBW_PH_1211857

„Nach Klink wollte früher jeder DDR-Bürger in den Urlaub“, erinnert sich Gerd Schröter, der langjährige Direktor des Hotels. Er führt weiter aus: „Das war hier nicht so das typische Ferienheim wie man es bis dahin kannte, bei der Gewerkschaft, sondern hier kam ein richtiges Hotel hin!“

 

Trotz Widrigkeiten überstand die „Die Perle an der Müritz“ in Klink das Ende der DDR. Und das obwohl die Treuhandanstalt, zuständig für die Abwicklung des DDR-Vermögens, ursprünglich das Ziel verfolgte, alle FDGB-Heime zu schließen. Das Überleben war vor allem dem politischen Engagement der Beschäftigten und der örtlichen Politiker zu verdanken. So gelang 1991 schließlich die Privatisierung des Hauses, das nun unter dem neuen Namen „Müritz Hotel“ weitergeführt wurde. Ein Großteil der früheren Angestellten verlor jedoch dabei seine Arbeitsplätze.  

 

Nach der Wiedervereinigung veränderten sich das Ferienheim und sein Publikum grundlegend. Zunehmend wurden Reisegruppen aus Westdeutschland zur wichtigsten Zielgruppe. Statt vom Gewerkschaftsbund zugewiesenen DDR-Urlauber/-innen übernachteten dort nun Busreisegruppen aus Nordrhein-Westfalen, Tagungen von westdeutschen Parteien oder Wochenendurlauber aus Hamburg. Auch einige ostdeutsche Gäste besuchten das Hotel wieder und begegneten dem vielseitigen Publikum. Die Atmosphäre hatte sich verändert, doch Klink wurde als Erholungsort weiterhin geschätzt. 

 

TIPP: Kennt ihr einen Ort, der sich nach der Wiedervereinigung stark verändert hat? Gibt es in eurer Region ein altes Ferienheim, das heute ganz anders genutzt wird? Wer machte hier früher Urlaub und wer kommt heute? Fragt doch mal bei euch im Ort oder im Archiv nach, ob sich der Wandel nachvollziehen lässt. Dafür kann man in alten Fotos, Gästebüchern oder Zeitzeugenberichten stöbern. 

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