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Ein überwältigendes Gefühl der Freiheit

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Tim Eisenlohr. Foto: Kinka Tadsen.

Tim Eisenlohr wurde 1973 in Ost-Berlin geboren. Seine Familie verließ die DDR mit einem Ausreiseantrag im Frühsommer 1989, damit seine schwer kranke Mutter in West-Berlin bessere Therapiemöglichkeiten nutzen konnte. Er und sein Zwillingsbruder kommen in Dahlem in eine West-Berliner Schule – ein komplett anderes Schulsystem in einer neuen, anderen Welt:

„Die Leute in unserem Alter redeten anders, hatten andere Themen, waren anders angezogen, waren in Ländern, von denen wir bisher nur im Fernsehen oder in Büchern gehört hatten. Ich verfolgte natürlich die Ereignisse in Ost-Berlin, aber war durch meinen neuen Alltag komplett vereinnahmt. Auch begann ich relativ bald, politisch aktiv zu werden, was nicht so einfach war, wie ich es mir vorgestellt hatte. In Ost-Berlin war ich irgendwie davon überzeugt, dass viele Jugendliche im Westen politisch aktiv sind, da sie ja so gut wie keinen Einschränkungen unterlagen im Gegensatz zu uns. In meiner Naivität ging ich davon aus, dass ich nun ganz schnell auf viele Gleichgesinnte treffen würde, die mit mir zusammen die `Welt retten´. Es wurde dann doch um einiges mühsamer. Der Druck, die Welt zu verändern, war im Berliner Südwesten wohl nicht ganz so stark wie angenommen. Trotzdem ließ ich mich nicht entmutigen und bald hatte ich an unserer Schule eine Amnesty-International-Jugendgruppe gegründet und war bei Peace Bird, einer Jugendorganisation gegen das Wettrüsten aktiv.“

Nach dem Mauerfall machte Tim die Erfahrung, dass sich in seiner neuen Heimat West-Berlin nicht so vieles wie in Ost-Berlin veränderte: „Neben dem überwältigenden Gefühl der Freiheit und der Überwindung des ungeliebten Systems im Osten beunruhigte mich sehr, wie schnell Rassismus und Nationalismus offen ihr Gesicht zeigten. Waren rechte Skinheads vorher im Osten eher meist verdeckt in Erscheinung getreten, so nahmen die Überfälle auf Menschen mit Migrationshintergrund und aus dem anderen politischen Lager stark zu.

Es wurde mir schon in dieser Zeit bewusst, dass das Engagement für eine freiheitliche, tolerante und wehrhafte Demokratie wohl nie ein Ende finden wird und darf.“

Weitere Informationen zu Tim sind hier zu finden:

Zeitzeugenbüro.de: Tim Eisenlohr