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Großes Schweigen und das Tor zur weiten Welt

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Christiane war 1989 neun Jahre alt und lebte in Ost-Berlin. Ihr Leben lief nach dem Mauerfall erstmal unverändert weiter. Was ihr aber auffiel, war der Gegensatz zwischen den fröhlichen Menschen im Fernsehen und der seltsamen Stille und Sprachlosigkeit ihrer Eltern zu Hause. Heute beschäftigt Christine sich mit den Folgen des Umbruchs von 1989/90 für ihre Familie und ihre eigene Identität:

„Die größte Veränderung für mich begann ab September 1991, als ich in das Französische Gymnasium in West-Berlin ging. Die Schule war für mich das Tor zur weiten Welt: Dorthin gingen Kinder der französischen Soldaten, die noch bis Mitte der 1990er-Jahre in Berlin stationiert waren, Kinder aus den ehemaligen französischen Kolonien und Kinder von Diplomaten, die schon überall auf der Welt gelebt hatten. Hier lernte ich eine Selbstverständlichkeit und Toleranz im Umgang mit anderen Kulturen, die meinen beruflichen Werdegang sehr geprägt hat.
Mein Alltag war meilenweit entfernt von dem meiner Familie. Für meinen Vater – zu DDR-Zeiten Universitätsprofessor und überzeugter Kommunist – ging mit dem Mauerfall (s)eine Welt unter. Er zog sich ins Private zurück, ging in den Vorruhestand. Meine Mutter lernte monatelang für eine staatliche Prüfung, um als Amtstierärztin arbeiten zu können. Auch meine älteren Geschwister mussten sich beruflich neu orientieren. Da alle sehr mit sich selbst beschäftigt waren, waren diese Nachwendejahre für mich von einem Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit geprägt. Aber mit meinen Ängsten und Sorgen musste ich allein klarkommen.“

Weitere Informationen zu Christiane sind hier zu finden:

Zeitenwende-Lernportal.de: Christiane