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Mehr Sport für alle

 

 

 

Manfred Kruczek. Foto: privat

Wenn man sich mit den Umbruchszeiten nach 1989/90 beschäftigt, könnte man auch einen Blick in die Welt des Sports werfen. In der DDR wurde ein Schwerpunkt auf die Förderung des Spitzensports gelegt. Der Breitensport – also der Freizeitsport in Vereinen – wurde dabei vernachlässigt. Manfred Kruczek engagierte sich schon in der DDR für den Freizeitsport und setze sich nach der deutschen Einheit für eine Angleichung zwischen Ost und West ein.

„Auf kaum einem anderen Feld ist die Herstellung gleichartiger Lebensverhältnisse zwischen Ost und West nach nunmehr 30 Jahren so weit voneinander entfernt wie in der Beteiligung am vereinsorganisierten Breitensport: So liegt dessen Organisationsgrad bundesweit bei ca.32% der Gesamtbevölkerung, während er in den fünf ostdeutschen Ländern mit knapp 16% gerade einmal halb so groß ist. Dies ist eine Folge der noch heute nachwirkenden Verwerfungen des DDR-Sportsystems, das sich einseitig auf internationale Erfolge im Spitzensport ausrichtete. So lag die Sportbeteiligung im „Sportwunderland“ DDR 1989 lediglich bei 6-7%, womit sie sich in den letzten 30 Jahren sogar verdoppelt hat.
Ich habe als 13-jähriger Schüler erste Erfahrungen mit den üblichen Auswahlverfahren im Rudersport gemacht. Später wurde ich wegen kritischen Äußerungen zum flächendeckenden DDR-Staatsdoping vom Ministerium für Staatssicherheit überwacht. Dennoch habe ich mich als Sektionsleiter einer Potsdamer Betriebssportgemeinschaft engagiert – allerdings in der von den DDR-Sportfunktionären nicht anerkannten Sportart Triathlon. Vergeblich versuchte ich, 1989 in Potsdams Partnerstadt am Bonn-Marathon teilzunehmen.
Im September 1990 erlebte ich – als Entschädigung für die Jahrzehnte der Ausgrenzung – meinen sportlich-emotionalen Höhepunkt beim ersten Berlin-Marathon durch das Brandenburger Tor. Mit diesem Schwung entschied ich mich, als Seiteneinsteiger, zunächst als Sportbeauftragter und danach als Breitensportreferent, in das gerade entstehende Ministerium für Bildung, Jugend und Sport einzusteigen. Dabei vertrat ich das Land Brandenburg gleich im November bei der ersten – jetzt gesamtdeutschen – Sportministerkonferenz. Dort sorgte ich mit dem vermutlich ersten Konferenzbeitrag eines Ostdeutschen bei einer bundesdeutschen Fachministerkonferenz für einigen Diskussionsstoff unter den Sportministern. Ich warnte eindringlich davor, die DDR- Spitzensportmethoden einschließlich ihrer gnadenlosen Auslese an den Sportschulen in den künftig gesamtdeutschen Sport zu übernehmen, sondern endlich den extrem vernachlässigten Breitensport ausgewogen zu fördern. Dieses Ziel verfolgte ich dann auch 26 Jahre lang bis zum Renteneintritt im Jahr 2016 als Breitensportreferent der Landesregierung Brandenburg.“

Weitere Informationen zu Herrn Kruczek sind hier zu finden: Zeitzeugenbüro: Manfred Kruczek.