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Oberbürgermeister in der Umbruchsphase

Dr. Herbert Wagner spricht vor dem Stadtparlament im Rathaus in Dresden.
Foto: privat

Dr. Herbert Wagner erlebte die Umbruchszeiten auf der Ebene der Politik. Von 1990 bis 2001 war er Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden und versuchte hier, die Ziele der Friedlichen Revolution umzusetzen.

„1989 arbeitete ich als Elektronik-Ingenieur in einem Farbfernsehlabor. Die Friedliche Revolution spülte mich als engagierten Christen in die Dresdner oppositionelle „Gruppe der 20“. Der Gruppe gelang es im Herbst 89, die eskalierende Spirale der Gewalt zu überwinden und zu einem Dialog zwischen Volk und Staatsmacht zu kommen. Über mehrere spannende Zwischenstufen wurde ich im Mai 1990 von der ersten wieder frei gewählten Stadtverordnetenversammlung zum Oberbürgermeister gewählt. Mein Programm war es, die Ziele der Friedlichen Revolution – Rechtsstaatlichkeit, soziale und ökologisch orientierte Marktwirtschaft und die Einheit Deutschlands in Frieden und Freiheit – auf kommunaler Ebene umzusetzen.
Der Wählerauftrag hieß salopp formuliert: „Schmeiß alle roten Socken aus dem Rathaus und bring Dresden sofort auf Westniveau.“
Die äußeren Zeichen der sozialistischen Hinterlassenschaft waren Wohnungsnot, eine ruinierte Bausubstanz, eine wettbewerbsunfähige Wirtschaft und eine zerstörte Umwelt. Die Abwässer flossen ungeklärt in die Elbe. Mit dem Mauerfall setzte ein dramatischer Bevölkerungsverlust ein.
Als Zeitzeuge kann ich berichten, wie es der „Gruppe der 20“ in sieben Monaten über den Dialog – dem Vorläufer der Runden Tische – gelang, entscheidende Beiträge für die Gewinnung von Freiheit und Demokratie zu leisten und wie es danach in elf Jahren der Kommunalpolitik tatsächlich gelang, Dresden wieder aufblühen zu lassen.“

Weitere Informationen zu Herrn Dr. Wagner sind hier zu finden: Zeitzeugenbüro: Herbert Wagner