zurück zur Inspiration-Übersicht

Weiße Flecken im Unterricht. Schulreform auf Eigeninitiative

Die drei Lehrer aus Anklam. Foto: Zeitreisen 3

Die Umbruchszeiten seit 1989/90 waren in Ostdeutschland auch in der Schule spürbar. Denn plötzlich musste ein neues politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches System an die Schülerinnen und Schüler vermittelt werden. Allerdings gab es dazu weder die passenden Schulbücher noch Lehrpläne. Drei Lehrer übten sich in dieser Zeit in der Improvisation:

Die drei Lehrer Jürgen Trapp, Jürgen Stähle und Roland Rusch aus Anklam engagieren sich im Neuen Forum und fordern bereits vor dem Mauerfall öffentlich die Abschaffung von Repressalien und eine Reformation des Schulsystems. Damit riskieren sie ihre eigene Freiheit und ihren Job. Sowohl auf den Montagsdemonstrationen als auch bei privaten Treffen werden sie von der Stasi bespitzelt. Als die Mauer fällt, fangen die drei an, vor allem den Geschichtsunterricht – der zu DDR-Zeiten etliche weiße Flecken aufwies – an den Standard der Bundesrepublik anzupassen. Doch sie hatten weder Schulbücher noch Lehrpläne. Anderthalb Jahre lang improvisieren die drei ihren Unterricht vor schwindender Schülerschaft, denn viele Familien verlassen die Region. Trotz aller Schwierigkeiten sind sie hoch motiviert und geben mit ihrem Engagement einen wichtigen Impuls für die Schulreform im Osten Deutschlands. Heute arbeiten sie am Lilienthal-Gymnasium Anklam und sind froh, aktiv am demokratischen Umbruch teilgenommen zu haben.

Über die drei Lehrer und ihre Beteiligung am demokratischen Umbruch gibt es einen kleinen Film und Unterrichtsmaterialien. Mehr Informationen gibt es hier: Zeitreisen 3. Zur Geschichte von Übergang und Transformation in den Neuen Bundesländern.