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Zeit der Verunsicherung

Zeit der Verunsicherung
Karamba Diaby im Jahr 1987/88. Foto: privat.

Karamba Diaby kam über ein Stipendium aus dem Senegal in die DDR und studierte von 1986 bis 1991 Chemie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Insbesondere für internationale Studierende in der DDR trat mit dem Mauerfall eine große Verunsicherung ein. Viele von ihnen wurden nach Hause geschickt. Einige konnten ihr Studium beenden. Nach der Wiedervereinigung blieb für viele weiter unklar, wie es für sie weitergehen würde: Manche Studienthemen oder –abschlüsse waren nicht mehr relevant, einige mussten bei null anfangen. Dazu kam das gesellschaftliche „Klima der Angst“.

„Es war für mich eine ganz spezielle Situation. Ich war damals noch Student und für mich ganz persönlich stand das Studium im Vordergrund. Dies war meine persönliche Form der Freiheit. Freiheit klingt natürlich schräg im Zusammenhang mit der DDR. Aber ich war eben frei von finanziellen Sorgen. Ich war mit einem Stipendium vom Senegal in die damalige DDR gekommen und dank dieses Stipendiums konnte ich in Halle Chemie studieren. Durch die Wiedervereinigung war erst einmal vollkommen unklar, ob es eine weitere Finanzierung geben würde.

Das prägende Gefühl für mich war Verunsicherung in dieser Phase. Viele Entwicklungen wurden angestoßen, vieles änderte sich von einem Tag auf den anderen. Und natürlich waren auch wir als internationale Studierende davon betroffen.
Wenn `Wir sind das Volk´ oder `Wir sind ein Volk´ gesagt wurde, fragte ich mich oft `Wie geht es weiter mit mir?´, `Gehöre ich auch dazu?´ Letztlich waren die Menschen in Halle entscheidend, die mir das Gefühl gegeben haben, willkommen zu sein. Ich wohne nach über 30 Jahre auch heute in Halle und habe es nie länger als 4 Wochen verlassen.“

Mehr zu den 1990er-Jahren und der Situation von Migrantinnen und Migranten findet sich unter: https://www.einheit-interkulturell.de/themen/auf-einmal-auslaender/